Wie Geri zum Seemann wurde

antigua336Wenn man in der glücklichen Lage ist, Kindheit und Jugend an einem See zu verbringen, scheint eigentlich der Zugang zum Segeln vorprogrammiert. So zog es auch den jungen Geri aus Ebensee immer wieder hinaus auf den Traunsee. Aber seine Eltern hatten kein Interesse am Segeln und Geris Ambitionen, seinen Traunsee zu erobern, wurden mit Verboten belegt. „Meine Eltern haben mir strickt untersagt, segeln zu gehen. Sie waren Landratten und hatten Angst um mich. Ich habe mich nachmittags weggeschlichen und vorgegeben, Freunde zu besuchen. Dann bin ich in einen Piraten gestiegen und auf den Traunsee hinausgesegelt. Das hab ich jahrelang gemacht, bevor ich’s den Eltern gestanden habe“.

Beim Segeln mit dem geborgten Piraten auf dem Traunsee ist glücklicherweise nichts passiert. Wenn man davon absieht, dass Geri nachhaltig vom Segelbazillus befallen wird. Es folgen die ersten Regatten im Korsar und Flying Dutchman. Mit 25 Jahren zieht er für drei Jahre nach Algier, kauft sich eine 505er-Jolle und segelt mit Freunden vor der Küste Nordafrikas. Immer wieder kann der inzwischen segelbegeisterte Geri auf Yachten das Mittelmeer durchkreuzen. „Mein Lehrer war Robert Wessely, er hat eine Grand Soleil besessen und mich öfters im Mittelmeer zum Segeln mitgenommen. Da habe ich dann Feuer gefangen: Das will ich einmal machen!“

Ein langer Lernprozess beginnt, den Wind zu spüren und ein Gefühl für das Boot zu entwickeln. Über 20 Jahre lang erlernt er die Kunst des Segelns in kleinen Schritten: Navigation und Sternenkunde werden verinnerlicht, dann Trimm von Segel und Takelage, und so weiter. Parallel zu Geris Fortschritten bei der Beherrschung der Seemannschaft wird auch sein Traum vom eigenen Boot immer stärker. Seine Wunschvorstellung von Anfang an ist ein altes Boot: Weil er sich eine neue Yacht nicht leisten kann, sagt er, und weil ein neues Schiff nach einem Jahr schon wieder alt ist.

Die Suche dauert 12 Jahre. 2003 ist Geri mit Helmut Peter aus St. Wolfgang auf einem Grönland-Törn unterwegs, von den Lofoten in Norwegen nach Maine in den USA. Dort trägt Geri einem Bootsbauer seinen Wunschtraum vor, der ihm die Mary Rose zeigt. Ein stolzes, prächtiges Schiff in wunderbarem Zustand, aber zunächst unleistbar, ein unerfüllbarer Traum. Zum Eigner der Mary Rose, einem vermögenden Anwalt aus Kalifornien, entwickelt Geri dennoch eine intensive Beziehung. Durch ihn lernt er den „Mister America’s Cup“, Dennis Conner, kennen. Auf dessen Cotton Blossom, einer Q-Klasse mit 50 Fuß Länge, wird Geri vom „Chef“ höchstpersönlich unterrichtet, viele Tage lang. Bis Geri eines Tages das Ruder übernimmt.

Am 26. Dezember 2004, an jenem denkwürdigen Tag, als der Tsunami seine vernichtende Spur durch weite Teile Asiens zieht, verbringt Geri auf den Malediven seinen Urlaub. Er entkommt relativ glimpflich dem Inferno. Aber seine Wertsachen werden vom Meer weggespült, auch sein Handy. So kann er erst drei Tage nach seiner Rückkehr nach Europa die entscheidenden Worte vom Anruf des inzwischen schwer erkrankten Anwalts aus Kalifornien abhören: „...it’s yours!“ Geri wird damit zum neuen „Caretaker“ der Gallant. Als erste Handlung gibt er seinem neuen „Besitz“ den ursprünglichen Namen zurück. Die Mary Rose wird in eine Stiftung übertragen, der „Mary Rose Incorporated“ und Geri wird beauftragt, sie lebenslang zu pflegen und zu segeln! Sein Traum ist nun endlich Realität geworden!